Platz vor dem Theater Karlshorst erhält den Namen von Johannes Fest (1889-1960)

Schulrat und Politiker in Karlshorst, 1933 von den Nationalsozialisten mit Berufsverbot belegt, nach 1950 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, 1960 Ehrung zum Stadtältesten

Mit der feierlichen Benennung des Platzes vor dem Theater Karlshorst in „Johannes-Fest-Platz“ würdigt der Bezirk Lichtenberg auf Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung den standhaften Karlshorster Bürger, Schulrat und Politiker Johannes Fest zum 125. Geburtstag, der auch nach der Machtübergabe an die Hitlerpartei seine antinazistische Haltung nicht verbarg und daraus die Konsequenzen zog. „Auch wenn alle mitmachen – ich nicht!“ war einer seiner Grundsätze. So wurde er am 18.04.1933 aus dem Amt des Rektors der 20. Grundschule entfernt und erhielt Berufsverbot, das selbst die Erteilung von Nachhilfeunterricht einschloss. Er hielt engen Kontakt zu anderen Nazigegnern, sah die Judenverfolgung und den Krieg voraus.

Der Bezirksbürgermeister Andreas Geisel lädt alle Bürgerinnen und Bürger herzlich ein, am Mittwoch, 05. Februar 2014 um 12.30 Uhr an der feierlichen Benennung des Platzes teilzunehmen. Die Laudatio hält der Berliner Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten, André Schmitz. Der bekannte Schauspieler Ulrich Matthes liest aus dem Buch über Johannes Fest und bringt den Anwesenden auf diese Weise den Gewürdigten näher. Erwartet werden auch mehrere Angehörige der Familie Fest.
Zuvor an diesem Tag, um 11.30 Uhr, findet in der katholischen St.Mariengemeinde in der Gundelfingerstraße 36 eine Andacht für Johannes Fest statt.

Johannes Fest (1889-1960) war gläubiger Katholik. Seine politische Heimat war die Zentrumspartei, deren Vorstand er von 1918 bis 1933 angehörte, ebenso deren Berlin-Brandenburger Gauvorstand von 1925 bis 1933. Auch war er Mitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, ein überparteiliches Bündnis zum Schutz der Republik gegen ihre Feinde an den politischen Rändern.

Fest war in Lichtenberg politisch als Bezirksverordneter und stellvertretender Vorsteher aktiv. Sein Name findet sich auf der Gedenktafel neben der Tür zum Ratssaal im Lichtenberger Rathaus.

Nach Kriegsdienst ab 1944 und sowjetische Kriegsgefangenschaft wurde Fest Mitglied der CDU. Von 1945 bis 1954 war er Bezirksschulrat in Berlin-Tempelhof. Von 1948 bis 1950 war er in Berlin-Neukölln Bezirksverordneter. Dem Berliner Abgeordnetenhaus gehörte er in dessen ersten beiden Legislaturperioden 1950 bis 1958 an. Danach war er bis 1960 erneut Bezirksverordneter in Neukölln. 1960 wurde ihm die Stadtältestenwürde verliehen.
Sein Sohn Joachim Fest, namhafter Journalist und Publizist, hat ihm in seinem Buch „Ich nicht. Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend“, Reinbek, Rowohlt 2006, ein liebevolles Denkmal gesetzt.

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