30.04.2010 | Aus meiner Arbeit als Bezirksstadtrat

Denkmal des Monats: April – Die “Russenoper” – Theater Karlshorst

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Foto: Theater KarlshorstDas Theater Karlshorst, der erste Berliner Theaterneubau nach 1945, blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Als ‚“Haus der Offiziere“ wurde es nach dem Krieg als Kulturstätte für Angehörige der Roten Armee errichtet, die in Karlshorst ihren Standpunkt hatte – Eine Reparationsleistung der Deutschen an die Sowjetunion. Vorher war hier das “Deutsche Haus” beheimatet, eine Berlin weit beliebte Lokalität für große Bälle und Vereinsveranstaltungen.

Nachdem der erste Berliner Stadtkommandant Bersarin sein Quartier in Karlshorst genommen hatte, kam der Schock. Am 3. Mai 1945 erging der Befehl, innerhalb von 24 Stunden das gesamte Wohngebiet zu beiden Seiten der Treskowallee von der deutschen Bevölkerung zu räumen. Das Areal wurde vollständig als Sperrgebiet ausgewiesen. Zwei Jahre später wurde das Deutsche Haus abgerissen. Bis 1963 war das Haus der Offiziere nur den sowjetischen Militär- und Zivilangestellten sowie deren Familien zugänglich, daher wurde es “Russenoper” genannt. Erst nach der überraschenden Aufhebung des Sperrgebietes hatte auch die deutsche Bevölkerung Zutritt.

Im neoklassizistischen Stil errichtet und 1948 eingeweiht, gab es im Saal 600 Plätze und weltberühmte Künstler wie David Oistrach, die legendäre Primaballerina Galina Uljanowa und das Ensemble der Peking-Oper standen hier auf der Bühne.

Insbesondere wegen seiner historischen Bedeutung, aber auch wegen eines imposanten Zuschauerraumes mit Rundpfeilern, Kapitellen und der großen geschwungenen Loge, ist das Haus heute ein Denkmal.
Historisch betrachtet ist das ehemalige “Haus der Offiziere” ein Denkmal ersten Ranges für Karlshorst, weil sich hier, mitten im Zentrum des Ortes, die russische Stationierungszeit architektonisch manifestiert hat. Man kann geradezu von einem Stein gewordenen Symbol der Nachkriegszeit sprechen. Das sowjetische Militär, der KGB und ihre Familienangehörigen haben für Jahrzehnte das Stadtbild von Karlshorst geprägt. Als im Herbst 1994 die letzten sowjetischen Soldaten in ihr Land zurückkehrten, wurde ein halbes Jahrhundert Nachkriegsgeschichte abgeschlossen.

Bis 2007 wurde das Haus noch als privates Theater genutzt, dann stand die Zeit hier still. Es drohte die dauerhafte Schließung und Verwahrlosung des Hauses. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE ist seit dem Abzug der Streitkräfte Eigentümer des Hauses. Mit ihr hat das Bezirksamt eine Lösung gefunden, die sehr komfortabel ist. Das Gebäude wurde saniert und zwei ehemalige Musikschulstandorte zogen hier ein, insgesamt 38 Räume stehen dafür zur Verfügung.

Komplettiert wird diese positive Entwicklung durch die neue Herstellung des Stadtplatzes Karlshorst zwischen Stolzenfels- und Ehrenfelsstraße. Dabei kommt dem Denkmal Theater Karlshorst optisch eine besondere Bedeutung als zentrales Element zu.

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